Was kostet die Welt?

Wer heute ein Möbelhaus betritt, dem wird unmittelbar im Eingangsbereich suggeriert, er könne sich jeden vorstellbaren Artikel in der Ausstellung leisten. Denn schließlich könne der Kunde ja die günstige Null-Prozent-Finanzierung nutzen. Die teure Schlafzimmereinrichtung oder der kleinste Nachttisch: Nichts muss sofort bezahlt werden. Alles ist in kleinen Monatsraten erschwinglich zu haben! Und man zahlt dafür keinen Cent Zins. Natürlich sind diese Angebote verlockend und getreu dem Motto: „Was kostet die Welt – ich finanziere sie mir!“ schwebt der Kunde durch die Hallen. Nur leider ist dieses Spiel mit der Selbstverschuldung nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint. Natürlich sind wir in unserer modernen Gesellschaft mittlerweile gegenüber derartigen Angeboten empfänglich. Noch bis weit in die 90er Jahre hinein gab es im Leben einer Privatperson eigentlich nur drei typische Finanzierungsformen, die die meisten Menschen in irgendeiner Phase ihres Lebens in Anspruch nehmen würden: die Immobilienfinanzierung, die PKW-Finanzierung und der persönliche Anschaffungskredit für die Finanzierung der ersten Küche oder Wohnzimmereinrichtung. Mittlerweile ist ein Leben auf Pump zum Standard geworden und nicht ungewöhnlich. Dennoch gibt es Punkte und Regeln zu beachten.

Wann ist eine Finanzierung sinnvoll und welche Fallen sollte man vermeiden?

Zunächst einmal sollte sich jeder Kunde darüber im Klaren sein, dass er keinen Finanzierungsvertrag mit dem Möbelhaus selbst eingeht. Hinter jeder Null-Prozent-Finanzierung steht ein Kreditinstitut. Das Möbelhaus tritt in die Rolle eines Finanzvermittlers ein. Es vermittelt die Finanzierung – und kassiert dafür eine Vermittlungsprovision. Bei jeder Null-Prozent-Finanzierung wird die Schufa oder eine andere Auskunftei über den Kunden befragt und bei positiver Kreditentscheidung wird dieser Kredit auch an die Schufa oder eine andere Auskunftei gemeldet. Das ist aber doch nicht schlimm, so lange, wie der Kredit ordnungsgemäß bedient wird, oder? Naja! Leider nur fast richtig. Denn die Schufa und alle anderen Auskunfteien bilden zu jeder natürlichen Person einen sogenannten Scorewert. Und desto mehr Kredite und Null-Prozent-Finanzierungen eine Person aufnimmt, desto schlechter wird dieser Score. Auch dann, wenn eigentlich keine Negativmerkmale an die Auskunftei gemeldet werden. Wer also wie ein Hamster Null-Prozent-Finanzierungen sammelt, der wird irgendwann feststellen, dass die Immobilienfinanzierung oder aber der PKW-Kredit eines Tages zu erheblich schlechteren Zinsen aufgenommen werden muss oder gar nicht bewilligt wird. Denn für die Bonitätsbeurteilung des Kunden ist dieser Score ausschlaggebend. Die Finanzierung eines Möbelankaufs ist also immer dann sinnvoll, wenn die Anzahl der Kredite überschaubar bleibt. Zudem sollten nur Anschaffungen finanziert werden, die nicht innerhalb eines Jahres aus den laufenden Ersparnissen finanziert werden können. Dafür sind diese Anschaffungskredite im volkswirtschaftlichen Sinn eigentlich gedacht. Daher gilt der Rat: Den Nachttisch selbst zusammensparen, wenn er alleine gekauft wird, aber das ganze Schlafzimmer finanzieren.

Vorsicht vor dem Kleingedruckten!

Auch bei diesen Finanzierungen gilt: Vorsicht vor dem Kleingedruckten! Eine Null-Prozent-Finanzierung muss nicht zwangsläufig nichts kosten. Denn häufig wird zwar kein Zins gezahlt, aber eine Bearbeitungsgebühr fällig. Diese wird dann im effektiven Jahreszins ausgewiesen und stellt im Prinzip nichts anderes als eine Zinsvorauszahlung dar. Also ist der Kauf doch nicht ganz umsonst!

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